Jugendforum veranstaltet Grillen im Hospizgarten

Würziger Duft von Bratwurst und Steaks liegt in der Luft. Im Schatten des großen Sonnenschirms sitzen drei Frauen am Terrassentisch. Man sieht ihnen auf den ersten Blick nicht an, dass sie schwerkrank sind. Ihnen gegenüber sitzt Christoph. Der 19-Jährige erzählt ihnen begeistert von seiner Koch-Ausbildung, die er gerade im Gutshof Oppershausen absolviert. Wenn er damit fertig ist, sagt er, möchte er gern für ein halbes Jahr bei seiner Freundin in Frankreich arbeiten. Sein Fernziel: Kanada. Zukunftsträume.
Christoph ist einer von sieben jungen Leuten vom Jugendforum Celle, die sich das Grillen an diesem lauen Sommerabend im Hospizgarten ausgedacht und organisiert haben. Das Jugendforum hat sich 2015 im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ – Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit gegründet. Es ist in Celle der CD-Kaserne angegliedert und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Erste Kontakte zum Hospiz-Haus gab es bereits im Dezember, als die Jugendlichen spontan entschieden, ihre nicht abgerufenen Projektmittel in Sachspenden für den Familienbereich im Hospiz-Haus anzulegen. Bei der Spendenübergabe durch CD-Kasernen-Sozialarbeiter Jan Helmers und FSJ-Mitarbeiterin Aylin Tekes war der Gedanke zu einem Hospizbesuch zusammen mit den Jugendlichen aufgekommen. Anfang Juni hatte die Idee konkret Gestalt angenommen. Doch die Jugendlichen wollten das Hospiz nicht nur ansehen, sondern ihren Besuch mit einem geselligen Grillen für die Kranken im Hospizgarten verbinden. Die Wetterprognosen für den 17. Juni sahen gut aus, Sonnenschein und Temperaturen um 25 Grad. Und es gab Menschen im Hospiz, die sich über ein Grill-Essen freuen würden. Laura (14), Pia (13) und Viktor (14) bekamen den Auftrag, zusammen mit Aylin Tekes nach passenden Rezepten zu suchen: lecker und bekömmlich sollten sie sein, nicht zu scharf und nicht zu viel Säure enthalten.

Mit Liebe zubereitet: Salate und Fingerfood

Als die Gruppe wie verabredet pünktlich um 17 Uhr im Hospiz eintrifft, haben die jungen Leute an alles gedacht: neben Bratwurst, Steaks und Geflügelbrust haben sie sogar Grillkäse für Vegetarier dabei. Im Jugendtreff haben sie gemeinsam frische Salate zubereitet, dazu Fingerfood wie Tomaten-Mozzarella-Spieße mit frischem Basilikum und Käsewürfel mit Weintrauben. Geröstete Pinienkerne fehlen ebenso wenig wie Grillsoßen, Kräuterbutter und Baguette. Das hat Christophs Zwillingsbruder Justin, der sich bei Kiess und Krause im zweiten Lehrjahr zum Bäcker ausbilden lässt, selbst gebacken. Ein großes Blech Butterkuchen frisch aus der Backstube hat er auch mitgebracht. Speisen und Softgetränke werden erst einmal im großen Kühlschrank in der Hospizküche abgestellt, denn zunächst soll es einen Rundgang durchs Hospiz geben.

Rundgang durchs Hospiz mit Inga Janßen

 

Besichtigung eines Krankenzimmers

Eines der zehn Krankenzimmer ist heute nicht belegt und kann von den jungen Leuten besichtigt werden. Dass jedes Zimmer sein eigenes Bad hat, stößt besonders bei den Mädchen auf Interesse.

Männersache: Sozialarbeiter Jan Helmers mit Justin, Maurice und Christoph am Grill

Dann wird der Gasgrill des Hospiz-Hauses in Betrieb genommen. Jan Helmers übernimmt das Grillen, assistiert von den Jugendlichen. Das Salatbuffet findet Platz im Wintergarten vor der Terrasse. Hospizgäste, die es vorziehen, im Zimmer zu essen, werden von den Pflegekräften nach ihren Essenswünschen gefragt. Bettlägerigen Kranken wird das Essen von den Pflegekräften am Bett angereicht.
Frau W., Frau S. und Frau B. am großen Terrassentisch essen gern in Gesellschaft. Christoph fragt sie, ob sie wohl selbst in ihrem Leben auch Reisen unternommen haben. Ihn interessiert auch, woran genau sie erkrankt sind und seit wann sie schon im Hospiz sind. Sein Interesse ist aufrichtig und seine Fragen kommen unbefangen. Der junge Mann hat sich vorsichtshalber vorher bei den Hospizmitarbeitern erkundigt, ob es Dinge gebe, die man in einem Hospiz nicht ansprechen sollte. Die Mitarbeiter konnten ihn beruhigen.
Frau S. weiß bereits seit längerer Zeit, dass sie schwerkrank ist. Seit März lebt sie im Hospiz-Haus. Frau W. wurde fünf Wochen später aufgenommen. Die zierliche Frau ist ebenfalls an Krebs erkrankt und weiß um die Schwere ihrer Erkrankung. Pia, Laura, Lena und Amanda, die zunächst noch für sich an einem separaten Tisch unter den Bäumen Platz genommen hatten, mischen sich spontan unter die Kranken und unter die Hospizmitarbeiter, die im Wintergarten essen. Aufmerksam hören die Schülerinnen, die die 7. und 9. Jahrgangsstufe der IGS Celle und der Oberschule Westercelle besuchen, den Erzählungen zu. Sie selber wissen noch nicht, was sie beruflich einmal machen werden, nur so viel: „etwas Soziales“ soll es sein. Tischgespräche ohne Berührungsängste.
„Toll, dass sich gerade junge Leute so engagieren. Das ist ja nicht selbstverständlich“, sagt Frau W. später. „Sie haben das Essen selber und mit viel Liebe zubereitet. Dass sie sich für uns interessiert haben und dafür, was wir gemacht haben in unserem Leben und wie wir hierhergekommen sind, fand ich großartig. Auch die Selbstverständlichkeit, mit der sie gefragt haben“, erklärt sie. Auch für Frau S. war es ein besonderer Tag: „Ich habe den Abend und die Begegnung mit den Jugendlichen sehr genossen“, sagt sie und bricht eine Lanze für junge Menschen: „Wenn über junge Menschen berichtet wird, dann meist von schlechten Taten und sie werden schnell alle über einen Kamm geschert. Dabei gibt es auch solche, die sich interessieren und Gutes tun und sich einsetzen für andere. Das jedenfalls war eine ganz tolle Truppe“, lobt sie die jungen Leute vom Celler Jugendforum.
Für Christoph und seine Freunde war es ein lehrreicher Besuch: „Ich wusste vorher überhaupt nichts von einem Hospiz, ich kannte das gar nicht“, erklärt er zum Abschied – und klingt wieder einmal begeistert.

Wir bedanken uns ganz herzlich beim Jugendforum Celle für diesen schönen Abend!!!

Zu Besuch im Hospizgarten: die Jugendlichen vom Jugendforum Celle mit Sozialarbeiter Jan Helmers (Bildmitte) und Aylin Tekes (halb verdeckt)

P.S.: Wer Lust hat, beim Jugendforum Celle mitzumachen: es lädt alle interessierten Jugendlichen am Mittwoch, 04. September um 17:30 Uhr in den Jugendtreff Haus 7 auf dem Gelände der CD-Kaserne ein, um neue Projekte zu planen. Weiterhin kann unter demokratie-leben@cd-kaserne.de oder unter 05141/9772917 Kontakt aufgenommen werden.