Physiotherapeutin Claudia Voltmer berichtet
Physiotherapie im Hospizhaus? Das stößt doch immer wieder auf Erstaunen und mancher Gast erschrickt. Nein, es geht nicht um schneller, weiter, kräftiger oder um den nächsten Lauf an der Aller. Es geht um diesen einen Moment: Was tut dem Gast in dem Augenblick gut? Wie kann ich diesen als Physiotherapeutin angenehm gestalten?
Da gibt es in erster Linie die Lymphdrainage, die ganz mechanisch die Stauungsödeme reduziert, dadurch Spannungsschmerzen lindert und vielleicht ein wenig das Gewicht der Extremitäten verringert, so dass eine Bewegung nicht mehr so schwerfällt. Ich berühre die Haut und manchmal auch die Seele.
Auch Mobilisierung ist wichtig – besonders wenn nach einem langen Liegen das Laufen nicht mehr möglich scheint. Und dann trauen wir uns, zusammen aufzustehen und einen Schritt zu gehen. Und das nächste Mal geht es selbstständig vielleicht bis ins Bad: ein Glücksmoment – für diesen Augenblick, für Patient und Therapeutin.
Diese Art der Behandlung ist besonders gut möglich in einem engagierten Team, durch eine dem Gast zugewandte Arbeitsweise. Mit viel Zeit und Ruhe, mit Lachen und Weinen erleben wir die letzten Tage und Wochen. Wie immer in meinem Beruf, in meiner Begegnung mit Menschen ist das ein Lernen voneinander, eine Wertschätzung füreinander. Darum mache ich gern Physiotherapie im Hospiz.


