Vorbeigeschaut: Trauer in Bewegung
Ein Häuflein Menschen steht an der Waldwirtschaft „Alter Kanal“. Sie kennen sich nicht und wollen doch gemeinsam spazieren gehen. Alle, die hier sind, eint ein Gefühl: Trauer. Bei „Trauer in Bewegung“ ist jeder willkommen, der einen geliebten Menschen verloren hat. Diesen Mittwoch sind neun Trauernde gekommen. Drei ehrenamtlich Mitarbeitende begleiten die Gruppe: Agnes Steinmann, Barbara Eichstädt und Christiane Bengsch.
Ein Mann ist zum ersten Mal dabei. Seine Ehefrau starb vor einigen Monaten im Hospiz. Ihm hilft es, über seinen Verlust sprechen zu können – und die Bewegung an der frischen Luft tut ihm körperlich gut. „Vor allem während der 80 Tage, als ich vor allem bei meiner Frau im Hospiz war, bin ich eingerostet. Ich habe gar keine Kondition mehr.“ Auch ein Ehepaar ist neu. Ihr Sohn kam Anfang des Jahres bei einem Autounfall ums Leben: „Plötzlich und unerwartet heißt es bei uns“, erzählt die Frau, der es guttut, über ihren Sohn zu sprechen. Ihr Mann dagegen hält sich mit Worten zurück. „Ich brauch´ das Reden nicht so“, sagt er – und doch ist auch er hier und läuft mit den anderen durch den Wald. Beim Abschied später wird er Agnes Steinmann scherzhaft warnen: „Wir kommen wieder!“
Regelmäßig dabei ist eine Frau, deren Mann vor einem guten halben Jahr starb – nach langer Krankheit. „Ich habe ihn gern gepflegt“, erzählt sie, „aber es wurde dann doch sehr anstrengend.“ Mit ihrem leuchtend gelben Regenmantel und den roten Gummistiefeln wäre sie auch bei schlechterem Wetter gut gerüstet. Heute bleibt es trocken, aber „man weiß ja nie. „Ich bin auch viel allein draußen, komme aber sehr gern hierher. Es ist einfach gut, mit anderen gemeinsam unterwegs zu sein.“
Noch ganz frisch ist der Verlust bei einem Mann, den Barbara Eichstädt mitgebracht hat: „Es ist erst sechs Wochen her“, erzählt er. Seine Tränen sind ebenso verständlich wie die Tatsache, dass er zum Abschluss keinen Kaffee im „Alten Kanal“ trinken möchte. „Hier saßen wir nach der Beerdigung meiner Frau. Da kann ich jetzt nicht schon wieder rein“, erklärt er. Babara Eichstädt nimmt ihn stattdessen noch einmal fest in den Arm.
In diesem Jahr bieten wir sechs Termine für Trauer-Spaziergänge an, und zwar am: 24. Januar, am 18. März, am 16. Mai, am 15. Juli, am 19. September und am 18. November.




