Kinästhetik – in Bewegung mit Diemut Gutzeit
Wir bewegen uns permanent. Immer organisieren wir unsere Körper so, dass wir gegen die Schwerkraft nicht umkippen. Dabei arrangieren wir unsere „drei Massen“: den Kopf, den Brustkorb mit Armen und das Becken mit Beinen. All das geschieht automatisch – und nicht immer gleich gut. Vor allem für Kranke ist das herausfordernd, weil eingeschränkt ist, was lange selbstverständlich war. In der besonderen Situation von Pflege kommt deshalb Kinästhetik zur Anwendung, Bewegungskompetenz; Das ist die Fähigkeit, Bewegung, auch ganz alltägliche, überhaupt erstmal wahrzunehmen und diese bewusst zu steuern.
Diemut Gutzeit interessiert sich schon lange für dieses Thema und hat sich deshalb fortgebildet. Im vergangenen Jahr belegte sie einen entsprechenden „Peer-Tutorin-Kurs“ und erhielt das Zertifikat für „Kinaesthetics in der Pflege“. Grundsätzlich hat Kinästhetik mehrere Ziele, die miteinander verwoben sind, sagt sie: „Zum Beispiel möchten wir erreichen, dass die zu Pflegenden möglichst selbstwirksam bleiben, also selbst tun, was sie noch können. Damit erreichen wir automatisch ein weiteres Ziel, nämlich dass die Pflegenden körperlich gesund bleiben – bei aller physischen Hilfestellung, die sie leisten.“
Durch Kinästhetik lassen sich Bewegungsabläufe so anpassen, dass Pflegemaßnahmen weder Tragen noch Heben beinhalten. Im Endergebnis ist die gemeinsame Aktivität mit dem Gast individuell so gestaltet, dass sein Tempo und seine eigenen Bewegungsimpulse aufgenommen werden, was die Anstrengung der Pflegekraft deutlich reduziert. Zur weiteren Entlastung kommen Hilfsmittel zum Einsatz: Slide-Tücher zum Beispiel und Anti-Rutsch-Unterlagen für die Füße.
Dabei ist Kinästhetik ein Zusammenspiel von Kopf und Hand – sozusagen: „Man muss sich bewegen, um Bewegung bewusst wahrnehmen zu können. Und man muss Bewegung bewusst wahrnehmen, um sich gezielt bewegen zu können“, zitiert Diemut Gutzeit einen Merksatz. Die Pflegeperson muss ein Gefühl dafür entwickeln, was geschieht, wenn sie sich bewegt, wie sich Druck und Entlastung an bestimmten Körperteilen verändern und diese sich somit bewegen beziehungsweise bewegt werden können.
Diemut begeistert es, in komplexen Pflegesituationen den Gast bei seinen Bewegungsmöglichkeiten so zu begleiten, dass dieser sich sensibel unterstützt fühlt, während er gemeinsam mit dem Pflegenden eine Herausforderung meistert.


