Ehrenamt – Gesprächskreis für Trauernde

Sonja Alexander arbeitet schon lange ehrenamtlich mit im Hospiz: „2015 half mir der Vorbereitungskurs für die ehrenamtliche Mitarbeit, mich endlich auseinanderzusetzen mit dem plötzlichen Tod meines Vaters über 20 Jahre zuvor.“ Seitdem bildet sie sich immer weiter fort und engagiert sich in der Hospizarbeit: zunächst in der Sterbe- und Trauer-Einzelbegleitung, später in der Trauerarbeit mit Kindern und seit drei Jahren im Gesprächskreis für Trauernde.

Dieser ist offen für jeden, der allein nicht weiterkommt und Kontakt und Hilfe sucht. Hier kann man reden und zuhören; aber auch gemeinsames Schweigen ist nicht ungewöhnlich und wird ausgehalten. Der Kreis ist offen und gemischt; das ist sehr gut: „Diejenigen, die in ihrer Trauer schon weiter sind, ermutigen und stärken diejenigen, bei denen die Trauer noch alles beherrscht“, erläutert die ehrenamtlich Mitarbeitende, „Die Zusicherung, dass es `heller wird´, klingt überzeugender aus dem Mund eines Menschen, der auch trauert.“

Die Treffen laufen immer ähnlich ab. Jeder, der will, entzündet eine Kerze für den jeweiligen Verstorbenen. Den Einstieg ins Gespräch bildet ein Impuls, den einer der Verantwortlichen vorbereitet hat. Das kann eine Geschichte sein, ein Bild oder ein Gedanke. „Dann geht es in den offenen Austausch. Jeder kann, keiner muss etwas sagen; es gilt Verschwiegenheit und für die zwei Stunden sind die Handys aus. Wir schaffen hier einen Raum für die Trauer“, erklärt die Trauerbegleiterin.

Im eigenen Umfeld ist das erfahrungsgemäß schwierig – besonders, wenn der Verlust schon eine Weile zurückliegt. Da gibt es manchmal bestimmte Erwartungen, dass es dann doch „mal gut ist“ mit der Trauer. Diese Ungeduld, dieses Unverständnis – ob ausgesprochen oder nicht – empfinden Trauernde als sehr belastend. Es kann sein, dass sich dann einer zurückzieht: entweder Angehörige beziehungsweise Freunde oder der Trauernde selbst. Im Gesprächskreis ist das anders: Hier können die Teilnehmenden aussprechen, was sie bewegt. Jeder in der Gruppe versteht, dass Trauer sehr individuell ist: egal, wie lange, intensiv oder lähmend und überwältigend sie erlebt wird.

Es kann lange dauern, bis Trauernde annehmen können, dass ein geliebter Mensch nicht mehr da ist, sagt Sonja: „Denn andererseits ist der, den ich vermisse, natürlich weiter präsent, aber anders: als Prägung, im Herzen und in der Erinnerung.“ Mit dieser neuen Realität kann man weiterleben – ein Lernprozess. Irgendwann, und das ist eben sehr unterschiedlich, können Trauernde wieder nach vorn schauen, und die Erinnerung an den Verstorbenen zaubert ihnen ein Lächeln ins Gesicht. „Die Trauer ist dann immer noch da“, weiß Sonja selbst sehr gut, „sie gehört zum Leben dazu. Aber sie beherrscht nicht mehr das ganze Denken und Sein.“